Art of Hosting Beyond the Basics: Drei intensive Tage in England

95 Hosts, Trainer und Moderatoren in einem großen Kreis, der Konferenzraum eingebettet in den saftig grünen Uni-Campus, vier Gastgeber aus Nordamerika, die Vielfalt Europas mit seinen Sprachen und Kulturen und rund zehn Jahre Geschichte und Erfahrung von Art of Hosting: das waren die Ingredienzien für drei Tage „Art of Hosting Beyond the Basics“ Anfang dieses Monats in Leicester in England. Vier Amerikaner als Vorwand, damit sich die Europäer treffen, wie es eine Teilnehmerin ausgedrückt hat. Dem stimme ich zu. Meine Eindrücke hier.

Europa im Raum

Das Thema Europa war gleich von Anfang an im Raum, als die Initiatorin des Treffens, Linda Joy Mitchell, davon sprach, wie wichtig für sie Großbritannien als Veranstaltungsort sei. Briten gelten als europakritisch. Was aber aus Lindas Worten sprach, war eine Sehnsucht, die ich sonst nur von Freunden aus dem Osten Europas kenne: Dazu zu gehören und – noch wichtiger – von Gleichgesinnten Besuch zu bekommen.

Die „offizielle“ Agenda

Das starke Viererteam Tuesday Ryan-Hart, Caitlin Frost, Tim Merry und Chris Corrigan hat das Format „Beyond the Basics“ bisher in Nordamerika angeboten. Ihre Frage und Antrieb dahinter ist, wie (große) Organisationen verändert und in Bewegung gesetzt werden können.

In England hat nun diese Gruppe mit Teilnehmer aus Staaten aus ganz Europa, aus Neuseeland, Australien und Israel gehostet. Dafür haben sie eine Reihe von Themen angeboten, die im herkömmlichen Training wenig oder keinen Platz haben, im Hosting-Alltag aber eine wichtige Rolle spielen:

  • Macht und Einfluss bei Hosting: erkennen und anerkennen, verschiedene Ebenen der Macht
  • Cynefin, das Modell mit walisischem Namen, das ein Schema für die Komplexität von Systemen liefert. Es gibt auch noch welche, die einfach und vorhersehbar sind und der Logik von Auslöser und Wirkung folgen, nicht nur diejenigen, die kompliziert, komplex und chaotisch sind ;-)
  • Platz für Self-Hosting unter Zuhilfenahme von The Work von Byron Katie
  • Open Space mit über 40 Themen
  • ein näherer Blick auf Komplexität und das Ernten, was Ria Baeck zusammen gefasst hat.
  • ein Schwerpunkt auf Harvesting von Anfang an und durch die Gruppe selbst

Genauere Infos zu diesen Details findest du auf der Weebly-Seite von AoH BtB.

Eine Gruppe, die um Klarheit ringt

Was sich wirklich tut, wenn eine Gruppe Menschen zusammenkommt, steht aber so gut wie nie wirklich auf der Tagesordnung. So auch hier. Zum Teil war es eine wunderbare Gelegenheit, sich zu treffen, miteinander Zeit zu verbringen, weil doch viele der Hosts alleine oder in kleinen Gruppen arbeiten.

In meiner Wahrnehmung sind die Hosting-Leute in Europa eine Gruppe, die darum ringt, die Ideale für sich selbst zu verwirklichen, die sie mit ihrer Arbeit in Organisationen und Unternehmen bringt. Ehrlichkeit, Transparenz, Autenthizität, eine Begegnung auf Augenhöhe und gleichzeitig unterschiedliche Grade von Erfahrung, Alter, Einfluss im Raum – all das war auch im Raum.

Die Herausforderung wurde durch die Gruppengröße, die Diversität, das unterschiedliche Verständis der englischen Sprache noch verkompliziert. Am Ende sind wir doch nur Menschen mit all den Grenzen und Schatten. Dies zu akzeptieren und sanft zu uns selbst zu sein, ist wohl ein erster Schritt zur Lösung.

Mein Lernen

Ich kann nicht sagen, was wir als Gruppe gelernt haben. Ich kann nur ein paar Dinge nennen, die ich gelernt und mitgenommen habe. Oder besser: die mir bewusst geworden sind. Neben der Tatsache, dass mich der Linksverkehr immer noch sehr stresst ;-)

Begegnungen von Mensch zu Mensch

Wie wohltuend, all diese Hosts zu sehen, die sich natürlich im Internet und auf der Bühne gut und stark präsentieren. Und mit ihnen über ihre Grenzen, ihre Fragen, ihr Scheitern, ihre Ratlosingkeit und ihre Ahungslosigkeit zu reflektieren. In all diesen Momenten entstanden wertvolle Verbindungen, die dieses Feld und jeden einzelnen,  jede einzelne nähren. Davon bin ich überzeugt. Und genau dieses Feld muss stark sein, damit wir in Organisationen und den Menschen wirklich für die Veränderung dienen können.

Das Reden pausieren lassen

Wenn das Reden Pause macht, dann kann der Körper ins Spiel kommen, den wir wohl sehr oft vernachlässigen. Im Open Space gab es Angebote wie Improviationstheater und Singen. Wie habe ich das Singen genossen :-)

Die Erfahrungen über Scheitern beim Hosten haben wir in menschlichen Skulpturen verarbeitet. Hier ein Beispiel zum Thema „schlechte Vorbereitung“, ein sehr amüsanter Moment für die Zuschauer anscheinend, den Andrea Erdei festgehalten hat und den ihr im Beitragsbild seht, danke!

Eingebettet in ein großes Ganzes

An allen von uns hängt ein Netzwerk von Freunden und Kollegen. Alles ist mit allem verbunden und daraus erwächst auch Verantwortung. Ein schönes und konkretes Symbol dafür ist mein grünes Redestück, das mich überall hin begleitet. Es ist Teil eines Stückes, das nach einem Kreis-Treffens in Bregenz voriges Jahr verteilt wurde, ist schon mehrmals quer durch Europa gereist, durch viele Hände und Geschichten gegangen und war im Abschlusskreis von Beyond the basics wieder im Einsatz.

„Freundschaft“

Nein, ich habe meine Definition von Freundschaft nicht geändert, wie ich im Blogartikel vor der England-Reise (nach unten scrollen!) geschrieben hab. Eher bin ich zurück gekommen mit der Frage: Was verbindet uns Hosts? Welches Wort könnte man an Stelle von „Freundschaft“ für die Verbindung zwischen den einzelnen Hosts nehmen?

Eine Etappe zur Konsolidierung von AoH in Europa

Für mich hat sich das Feld in Europa mit diesem Treffen gefestigt und gestärkt. Nach rund zehn Jahren unterschiedlicher Erfahrung ein guter Moment. Das auch, wenn manche mit mehr Fragen zurück gekommen sind als sie hingebracht haben. Wie wir wissen sind es genau die guten Fragen, die uns weiterbringen.

Erwartungen erfüllt

In meinem Beitrag für den Beyond the Basics-Blog, den ich oben schon einmal genannt habe, habe ich vor einiger Zeit geschrieben: „What do I expect? I can say: stocktaking, reflecting, dreaming, crying, and laughing – and celebration.“ Es war alles dabei – bis hin zum Feiern und Singen, was mir ein Trauma geheilt hat, das seine Wurzeln im Volksschulchor (für die deutschen Leserinnen und Leser: Grundschulchor) hat. Aber das ist eine andere Geschichte…

Es fühlt sich an wie die nächste Etappe auf einer Reise, einer längeren… Schön, dass du Teil davon bist!

Lasst uns gemeinsam Räume für gute Gespräche schaffen,

Ilse

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