Beyond the Basics – eine Nachlese

Vor gut drei Wochen war ich mit Ilse und über 90 anderen Host aus der ganzen Welt in Leicester, England zum Art of Hosting Beyond the Basics-Training. Ilse hatte ja schon in einem Artikel ihre Eindrücke geschildert. Ich möchte jetzt mit Abstand von einigen Wochen nochmal auf das Training schauen und sehen, was bei mir geblieben ist.

Beyond the Basics – Import aus Amerika

Ich hatte schon voriges Jahr (2014), als die vier Hosts von Beyond the Basics das erste Mal das Training in Amerika angeboten haben, überlegt, ob ich nach Amerika fahren sollte. Aber es hat nicht geklappt. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Linda und Valerie den Impuls hatten das Ganze nach Europa zu bringen. Es ist das einzige Taining in Europa dieses Jahr und meines Wissens ist auch noch kein weiteres für Europa geplant. Mal sehen…

Eines der Dinge, das vom Training für mich immer noch andauert, ist die Freude, mit so vielen Hosts gemeinsam diese Zeit zu verbringen. Es gab einige bekannte Gesichter und viele neue. Es hat sich gut angefühlt zu sehen, wieviele Menschen begeistert von Art of Hosting und aktiv sind. Ich habe von Leuten in anderen Ländern gehört, die gerade – ähnlich wie in Deutschland – versuchen, sich zusammen zu finden und eine Community zum Leben zu erwecken. Es gab Berichte aus Schottland, wo eine Firma durch Hosts gegründet wurde, um die vertragliche Seite bei Aufträgen von öffentlichen Stellen besser managen zu können. Und es gab viele, die Einzelkämpfer waren in ihrer Gegend und das dringende Bedürfnis nach Kontakt und Austausch hatten.

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Art of Hosting goes Business

Neben vielem anderen kam in einigen Sessions (Open Space, Tischgespräche,…) ein Thema immer wieder: Wie bringe ich Art of Hosting ins „Business“ (um die Vielfältigkeit der Fragen jetzt mal mit einem Schlagwort zusammen zu fassen)? Wie verkaufe ich es an Unternehmen? Meist sind es glückliche Umstände, wo schon vorher ein vertrauensvoller Kontakt zu einem Auftaggeber bestanden hat und in diesem dann Art of Hosting Anwendung fand. Ich habe bisher niemand gehört, der einen Auftrag bekommen hat, indem er durch Kaltakquise „Art of Hosting“ angeboten hat. Natürlich kann man das Prozesswissen Art of Hosting nicht als solches anbieten. Viel wichtiger ist es, wofür kann man es anwenden, was kann man damit lösen. Und genau darum dreht sich die Diskussion auch. Es ist auch die Frage, mit welchem Vokabular man in den Markt geht, um das zu beschreiben, was Art of Hosting tut und dabei die Sprache der Auftraggeber trifft.

Ein inhaltlicher Teil von Tim in diesem Zusammenhang war sein neu entwickels Modell, mit dem er seine für Veränderung in Systemen erklärt. Dieses registrierte Modell ist auch auf seiner Website beschrieben. Tim erzählte, dass es ihm hilft, ein Modell zu haben und dass er damit besser mit künftigen Auftraggebern sprechen kann. Dieses Modell ist für mich auch ein Schritt zu Beyond the Basics (also eine Vertiefung der Grundlagen).

Komplexe Systeme – Cynefin

In diesem Zusammenhang war für mich auch das Teaching von Chris zu Cynefin (Komplexität von Systemen) äußerst spannend. Dieses Modell von Dave Snowden erklärt, dass es vier Domänen gibt, wie sich die Kausalität in Systemen beschreiben lassen. Neben der einfachen und der chaotischen Domäne lag der Schwerpunkt auf der Unterscheidung zwischen komplizierten und komplexen Systemzuständen. Das Modell bietet Erklärungen und Lösungsansätze für diese Zustände. Häufig ist es so, dass bei komplexen Sachverhalten (es gibt keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung) versucht wird, mit komplizierten Lösungsansätzen zu arbeiten (Ich zerlege das Problem in kleine Einheiten, die alle mit Ursache-Wirkung-Ansätzen gelöst werden). Statt dessen muss man andere Methoden anwenden: in Prototypen etwas ausprobieren und sehen, was funktioniert (probe, sense, respond).

Hier eine kurze Einführung von Dave Snowden. Das Thema ist sicher einen eigenen Artikel wert. Ich kannte Cynefin schon, aber hier wurde mir die tiefe Weisheit des Modells nochmal bewusst. Und es lässt sich hervorragend als Argumentation für die Anwendung von Art of Hosting nutzen.

The Work von Byron Katie, das uns Caitlin nahe brachte, war für mich eine gute Auffrischung des Konzepts. Das Thema Macht (power) von Tuesday war für mich interessant, hat für mich aber momentan keine so große Bedeutung. Ich habe mich gefragt, ob dieses Thema wirklich in einem Training, das im europäischen Kontext entwickelt wird, Teil des Trainings sein würde oder besser gesagt, ich würde dieses Thema zur Zeit nicht in ein Training einbringen, auch wenn es durchaus spannend sein kann.

Rückblick & Wünsche

Jeder des Hostingteams ist mit seinen Themen einen Schritt weiter im Art of Hosting gegangen, teilweise wurden Dinge vertieft (The Work, Cynefin Modell), teilweise neue Elemente hinzugefügt (Power) oder das ganze auf eine neue Ebene gehoben (Tims Modell).  Im Nachhinein betrachtet haben mir zwei Dinge gefehlt: Erstens hätte ich gerne mehr in der AoH-Dimension Hosting Self  gemacht (Anmerkung: Falls Dir die vier Dimensionen des Art of Hosting nicht bekannt sind, kannst Du hier nachlesen). Es gab in der Früh, vor dem Training und angeboten von Teilnehmern, die Möglichkeit zu meditieren oder Aikido zu machen. Doch ich fände es schön, das integralen Teil eines Trainings werden zu lassen. Ich habe mich länger mit Anita Paalvast unterhalten, die die Aikido-Sessions angeboten hat. Sie möchte gerne Art of Hosting und Aikido verbinden. Ich denke, dass das EINE Möglichkeit wäre, mehr Fokus auf die Hosting Self-Dimension zu legen. Und man kann aus solchen Aikido-Übungen viel über seine Haltung und Führung lernen, was man gut für das Hosten einsetzen kann.

Zum zweiten hat mir der Teil der Community (vierte Dismension) gefehlt. Wie Ilse schon geschrieben hat: Es müssen vier Amerikaner nach Europa kommen, dass sich die Europäer mal treffen! Es war schön, sich mit anderen europaweit auszutauschen und ich hätte gerne mehr davon. Warum nicht ein europäisches Treffen Ende 2016 organisieren?

Ebenso sehe ich überall die gleichen Wünsche und Schwierigkeiten: Wir bezeichnen uns zwar als Community, aber sind wir das wirklich? Gibt es, abgesehen von persönlichen Kontakten, wirklich eine Community? Eine lokale? Eine regionale? Eine nationale? Eine europäische Community? Ich denke, auch das wäre für mich ein Teil eines Beyond the Basic-Trainings: Wie schaffen wir es, zu einer Community von Lernenden zu werden? Wir versuchen es in Süddeutschland gerade und ich hoffe, es gibt auch andere Regionen, die sich lokal treffen, austauschen und gemeinsam lernen. Das wäre mein Wunsch, weil es mir wichtig ist, dass Art of Hosting noch mehr in der Welt angewendet wird.

Soweit meine Gedanken zum Beyond the Basics Training. Ich bin gespannt, was da angestoßen wurde und was sich in nächster Zeit noch entwickeln wird. Es gab ja anscheinend schon Überlegungen, ein europäisches „Fortgeschrittenen“-Training zu entwickeln, was sich aber noch nicht in die Tat umgesetzt hat.

Was wäre denn dein Wunsch an ein europäisches Art of Hosting Beyond the Basics-Training?

Lasst uns gemeinsam Räume für gute Gespräche schaffen,

Thomas

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