Die Flüchtlinge und Art of Hosting

Die Flüchtlingssituation rüttelt uns auf und stellt uns vor einige Fragen. Viele aus dem Art of Hosting-Netzwerk sind momentan an neuralgischen Punkten aktiv und packen an. In unserer Rolle als Gastgeber für wichtige Gespräche stellt sich für uns darüber hinausgehend die Frage: Was kann mit unseren Fähigkeiten und Werkzeugen unser Beitrag sein, um diese gesellschaftliche Aufgabe anzugehen?

Konkrete Hilfe

Viele Hosts sind aktiv, packen an und vernetzen Hilfe: Das Wiener Netzwerk rund um Waltraud und Holger Heller und den Wiener Salon für Wandel an der österreich-ungarischen Grenze und in Wien, Uli von Rücker über Facebook von Kairo aus, Thomas in München und viele mehr.

Neben dieser Hilfe in der akuten Situation wirft sich die Frage auf, ob es im Art of Hosting-Netzwerk ein Potenzial gibt, das angezapft und jetzt gehoben werden kann, um nachhaltig zu helfen. Und wenn wir auf unsere Kernkompetenzen von Einladen, Organisieren, Moderieren von guten Gesprächen schauen, drängt sich die Frage auf:

Wie können wir als Hosts mit unseren Instrumenten und Fähigkeiten etwas beitragen?

Wie können wir hosten?

Was will gehostet werden?

Otto Scharmer analysiert die Situation in einem aktuellen Artikel „Wenn Systeme kollabieren, erheben sich die Bürger“ und sieht drei Möglichkeiten, auf eine solche Herausforderung zu reagieren:

  • Rückgriff auf alte Verhaltensweisen aus dem Angstzentrum im Gehirn, im Wesentlichen also Gewalt oder Abwehr wie der Bau von Mauern
  • Reagieren mit mehr von dem, wie wir es kennen: Treffen, Erklärungen, politische Auseinandersetzungen
  • Empathisch-menschliche Antwort auf eine Notsituation, damit einher gehen ein Ausstieg aus der täglichen Routine und Verhaltensweisen; die spontane Antwort entsteht aus einer Co-Kreation. Das ist das, was so viele Freiwillige gemacht haben und noch immer tun.

Die vielen Fragen, Ängste, Hoffnungen und Unsicherheiten, die im Raum stehen, werden unserer Meinung nach aus dieser dritten Gruppe, wie Scharmer sie beschreibt, eine mögliche Antwort bekommen. Die anderen beiden Gruppen dürfen dabei allerdings nicht vergessen werden.

Brücken bauen und zu Gesprächen einladen

In den einzelnen Ländern ist die Situation unterschiedlich und daher wohl auch die Fragen, die sich die Menschen stellen. Trotzdem kann eine erste Stufe ein länderübergreifender Erfahrungsaustausch sein. Als nächsten Schritt denken wir an einen Dialog auf allen Ebenen von Helfern, Ankommenden, der Gesellschaft in ihrer Vielfalt, aber auch Politikern und Medien. Kernfragen werden dabei sein: „Wie können Ängste behutsam gehostet werden?“ und „Was braucht es für eine friedvolle Integration, die unter anderem unsere zentralen Werte schützt?“

Der Fokus solcher Einladungen kann nur darauf gerichtet sein, wie wir in Zukunft zusammen leben wollen und das – wie es die DNA von Art of Hosting in sich hat – unter Miteinbeziehung der Weisheit aller.

Vorhandene Strukturen nutzen

Die Ressourcen des AoH-Netzwerkes können über bestehende Strukturen in den Dienst der aktuellen Fragen gestellt werden, wie es in Wien geschieht: Dort hat der Wiener Salon seine Termine im September und Oktober ganz ins Zeichen der Flüchtlinge gestellt. Nachdem wir uns in komplexen und chaotischen Situationen befinden, geht es darum, Prototypen zu entwickeln, diese ausprobieren und dann verbessern und weiter probieren. Da können die Salons einen wertvollen Beitrag leisten.

Eine weitere Plattform ist das U.Lab, das gerade in einer Kombination von on- und offline läuft. Von Anfang an war dort auch dieses Thema präsent und viele der Projekte, die dort entwickelt werden, haben sicherlich diesen Fokus.

Lasst uns darüber reden

Wir denken, dass wir mit Art of Hosting dazu prädestinert sind, zu diesem Gespräch einzuladen: Was heißt diese Situation für uns? Sehen wir einen gemeinsamen Sinn und Zweck, hier eine Initiative ins Leben zu rufen? Was sind deine Gedanken dazu? Was löst das bei dir aus? Woran würdest du dich beteiligen?

Wir freuen uns über deine Kommentare hier auf dem Blog, auf Facebook, Twitter oder per E-Mail.

Lasst uns gemeinsam Räume für gute Gespräche schaffen,

Ilse & Thomas

 

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