Wie der Purpose als Kompass wirkt. Und warum die Hängematte für mich dabei eine Rolle spielt.

Kennst du auch Meetings und Veranstaltungen, in denen du dich fragst, warum du da eigentlich deine Zeit – deine Lebenszeit – versitzt? Du fragst dich: Was tun wir hier? Da kann natürlich vieles schief gehen, sehr oft ist es aber einfach ein fehlender oder nicht ausreichend geklärter „Purpose“ oder – auf deutsch – „Sinn und Zweck“ . Was hat es mit diesem Startpunkt auf sich, ohne den wir mit Art of Hosting keine Arbeit anfangen?

Was ist der Purpose eines Gespräches?

Der Sinn und Zweck beschreibt das Warum eines Meetings, eines Gesprächs, eines Events. Er dient dem Gespräch als Bezugspunkt und Fokus und kann wie ein Kompass immer wieder zu Rate gezogen werden. Er wird am Anfang geklärt und wir kommen immer wieder darauf zurück, beziehen uns auf ihn.

Das schönste wöchentliche Meeting ohne Sinn und Zweck ist sinnlos, weil ja das Warum fehlt. Kein klarer Purpose ist auch, dass es zum Beispiel ein Budget gibt, das ausgeschöpft werden muss. Oder dass „wir das immer so gemacht haben“ und uns wöchentlich, monatlich, jährlich getroffen haben.

Wenn wir die Frage nach dem Purpose ernst nehmen – und bei Art of Hosting tun wir das – dann widmen wir ihm vorab Zeit und klären ihn. Er ist dann klar und deutlich umrissen. Mit ihm werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen: Fühlen sie sich angesprochen, dann werden sie auch Herz und Hirn in die Gespräche einbringen.

Im Dienste der Arbeit, die erledigt werden will

Hier ist eine Klarstellung zu Art of Hosting allgemein fällig: Es geht beim Einsatz von Art of Hosting niemals um Art of Hosting selbst. Es geht nicht darum, das perfekte World Café zu veranstalten oder einen Kreis zu hosten, weil ein Kreis so schön ist.

Es geht darum, Art of Hosting im Dienste eines Problems, einer Veränderung oder einer Frage zu verwenden – im Dienste des Purpose eben. Es geht um die Arbeit, die wir tun wollen, weil sie gebraucht wird. Art of Hosting ist ein Werkzeug, das für die Welt und die Menschen wirken will und es auch wunderbar kann.

Wer erarbeitet den Purpose?

Das Kernteam von Caller, der das Bedürfnis spürt und erkennt, und Hosts machen das. Dieses Team verpflichtet sich, dem Sinn und Zweck auch dann zu dienen, wenn es mühsam wird. Daneben können auch schon Beteiligte, die später zu den Gesprächen eingeladen werden, einbezogen werden. Somit startet die Co-Kreation mit dem Feld früher. Die Arbeit am Purpose wird reicher.

Entsteht im Team eine kollektive Klarheit über den Purpose, dann endet diese Phase und es geht darum, wer mit dem erarbeiteten Warum eingeladen wird.

Manchmal wächst das Hosting Team noch und es kommen im Laufe der Arbeit neue Mitglieder dazu. Ist das der Fall, so werfen wir noch einmal einen Blick auf den Sinn und Zweck: Ist er auch für die neu zusammengesetzte Gruppe noch passend? Wo gibt es Bedarf nach Anpassung?

Der Sinn und Zweck ist es auch, der das Team als solches zusammenhält. Konsequenterweise ist es dann auch so, dass es sich auflöst, wenn der Purpose erfüllt ist.

Wie?

Die Arbeit am Sinn und Zweck hat viel mit Erspüren zu tun – das, was wir (wieder einmal auf Englisch ;-)) „Sensing“ nennen. Weil das kollektiv und in der Gruppe geschieht, fängt hier die Co-Kreation an.

Hilfreiche Fragen in der Purpose-Arbeit können sein:
– Was ist der Sinn und Zweck, der dem Bedürfnis, das wir spüren, am besten dient?
– Was wollen wir erreichen?
– Was wird gebraucht?
– Was ist möglich, wenn unsere Arbeit ihr volles Potenzial entfaltet? Was können wir uns dann erträumen, vorstellen?
– Wie lässt sich das in einer einfachen und gleichzeitig starken Frage ausdrücken?
– Ist der Sinn und Zweck noch passend, wenn neue Menschen dazu gekommen sind? Wo muss nachgeschärft werden?

Die einzelnen Teammitglieder können jeweils auch ihr eigenes Warum für die Arbeit haben. Manche haben vielleicht ein persönliches Interesse an der Frage oder sie möchten schlicht und einfach Geld verdienen.

Was wir allerdings als Gruppe herausfinden, geht darüber hinaus. Es ist mehr als die Summe der Einzelteile. Es ist nicht das, was wir getan haben möchten. Es geht um das, was wir spüren, was die Welt, die Gruppe, das Team, das Unternehmen, der Staat brauchen. Wir begeben uns also vom Kopf weg und involvieren unseren ganzen Körper und alle Sinne.

Hilfreich: Konzepte von Prozessdesign

Einen hilfreichen Unterbau bieten theoretische Konzepte von Prozessdesign. Mit Art of Hosting arbeiten wir ja in einem emergenten Feld. Daher sind herkömmliche detaillierte und oft starre Planungszugänge nicht hilfreich. Wir brauchen einen ausreichend flexiblen Rahmen, damit das Vorhaben sich weiter entwickeln kann. Die Akteure müssen dabei vor allem ihr eigenes Bedürfnis nach Kontrolle des Prozesses loslassen.

Solche Konzepte sind die „Atemzüge des Prozessdesigns“ und der „Chaordische Prozess“. Beide sind aus der Erfahrung der Praxis über die Jahre hinweg entstanden, sie überlappen und ergänzen sich.

Was beide gemeinsam haben, ist die zentrale Rolle des Purpose: Der anfängliche Call meldet sich in einer oder mehrerer Personen, die das Bedürfnis spüren: Wo gibt es Unzufriedenheit, ein ungenütztes Potenzial oder eine Sehnsucht nach Veränderung? Im nächsten Schritt kommen die Hosts dazu und gemeinsam erarbeitet das Kernteam den Purpose. Hier wird entschieden, wie das zuvor identifizierte Bedürfnis erfüllt wird.

Klarheit

In diesem Blogpost hier klingt die Arbeit am Sinn und Zweck jetzt so, als ob das alles unglaublich aufwändig wäre. Das kann am Anfang auch so erscheinen, weil wir oft von einer etwas diffusen Ausgangslage starten. In diesen Fällen braucht die Purpose-Findung dann mehr Zeit.

Ist das Warum aber einmal geklärt, dann kann alles ganz schnell gehen. Es ist dann eindeutig, wer eingeladen werden muss, wen wir im Kreis brauchen, wie wir unsere Zusammenarbeit praktisch organisieren, damit wir den Sinn und Zweck bestmöglich erfüllen. Das gehostete Meeting selbst läuft fokussiert ab. Wir vergeuden keine Zeit in Gesprächen, die nichts zum Warum beitragen. Wir machen keine Extratouren und verlieren uns auch nicht in Diskussionen.

Der Purpose führt

Wie wir einen Kompass immer wieder aus der Tasche ziehen, damit wir nicht vom Weg abkommen, so verwenden wir auch den Sinn und Zweck immer wieder zur Orientierung. Wir kommen darauf zurück und fragen, ob wir noch richtig unterwegs sind.

Der Sinn und Zweck führt uns: Sind wir noch in die richtige Richtung unterwegs oder vom Weg abgekommen und verschwenden dadurch Zeit, Geld, Ressourcen? Er bringt die Beiträge der Beteiligten zusammen und wirkt wie ein Klebstoff.

Grundlage fürs Ernten

Sinn und Zweck legen auch fest, was wir ernten wollen. Ist klar, warum wir das Meeting machen, ergibt sich daraus, was wir davon mitnehmen möchten. Schließlich denken wir bei Art of Hosting niemals nur für eine Veranstaltung, sondern haben immer einen größeren Horizont im Auge.

Abgestimmt darauf kann dann festgelegt werden, wie wir ernten und welche einzelnen Ergebnisse, Artefakte, Materialien festgehalten werden. Wir können uns dann auch fragen, wer noch davon erfahren sollte.

Konsequenz: Meetings streichen und Hängematte

Aus dem vorher Geschriebenen ergibt, sich, dass Purpose oder Sinn und Zweck wesentlich für eine Veranstaltung, ein Meeting, eine Konferenz sind.

Findet man keinen Sinn und Zweck, ist es sehr wahrscheinlich, dass es (noch) nichts gibt, das bearbeitet werden will. Das wird wahrscheinlich ein Scheitern des Ganzen nach sich ziehen. Oder zumindest das Gefühl bei den Teilnehmern hinterlassen, dass die Zeit nicht gut genutzt wurde.

Wenn wir das alles also ernst nehmen, heißt das dann im Umkehrschluss auch: Lässt sich der Sinn und Zweck nicht benennen, dann arbeiten wir auch nicht weiter. Punkt. Eine logische Konsequenz daraus ist dann, dass Meetings gestrichen werden. Und ich mich in die Hängematte lege ;-).

Wie sind deine Überlegungen zum Purpose? Kannst du damit etwas anfangen? Wie konsequent bist du in dieser Hinsicht? Schreib mir gerne dazu in die Kommentare.

Lasst uns gemeinsam Räume für gute Gespräche schaffen,
Ilse

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