Interview mit Claude Rosselet: Wenn Organisationsaufsteller Art of Hosting entdecken

Claude Rosselet ist Organisationsberater aus der Schweiz und arbeitet seit rund 20 Jahren mit Aufstellungen in Unternehmen. Im Organisationskontext hat Claude dieses Instrument, das ursprünglich aus der Familientherapie kommt, adaptiert und mit Open Space, World Café und anderen Methoden für Interventionen in Großgruppen kombiniert. Auf Art of Hosting als solches ist er erst vor „drei, vier Jahren“ bei einem Kongress gestoßen.  Wie das zusammen geht und sich ergänzt, ist in seinem Buch „Andersherum zur Lösung“ nachzulesen. Ein Gespräch mit ihm über Wurzeln, Gemeinsamkeiten und den Mehrwert von Art of Hosting.

Ein Instrument der Familientherapie zeigt Lösungen fürs Management

Aufstellungen haben ihre Wurzeln in der Familientherapie. Während im familiären Kontext Personen als Repräsentanten für andere (Familien-)Mitglieder aufgestellt werden, werden bei der Managementaufstellung auch zentrale Momente einer schwierigen Situation aufgestellt. In beiden Fällen sind die Körperwahrnehmungen ein wichtiger Schlüssel bei der Klärung der Situation und der Entwicklung einer plausiblen Lösung. Gerade dieser physische Einsatz bringt eine neue Komponente ein und macht unerwartete Lösungen sichtbar.

Claudes Geschichte mit Aufstellungen begann in den 90-er Jahren. Er war einer der Ersten, der sie mit Gruppen und Teams im deutschsprachigen Raum durchgeführt hat. Dafür hat er einige Anpassungen durchgeführt, die durch das Übertragen vom Therapie- in den Managementkontext notwendig wurden: „Und siehe da, es funktionierte.“  Er nutzt damit den Körper, seine Empfindungen und Signale als Lösungsinstrument auch im Unternehmensumfeld, was für so manche Führungskraft immer noch ungewöhnlich ist.

Gemeinsamkeiten

Als er Art of Hosting durch Rainer von Leoprechting kennengelernt hat, stellte er für sich fest: „Da gibt’s Konzepte, die mir eh vertraut waren. Der Schritt war nicht sehr groß.“ Aufstellungen wie Art of Hosting haben die „Wurzeln an den gleichen Orten: Die kollektive Intelligenz wird genützt, um miteinander Lösungen zu finden“. Ein Verbindungsglied sieht er in Otto Scharmer und seinem Prozess des Presencing. Dieser beschreibe sehr schön, „was in einer Aufstellung abläuft“: Es gehe um das Gewahrwerden, das Offensein für das Unerwartete und das Neue mit dem Ziel, „andere Formen der Zukunft zu erspüren“, was letztlich einem anderen Managementstil das Feld bereitet. Die Erfahrung bekommt wieder mehr Raum und die Betroffenen sind auch die Akteure, sie selbst ihre Lösung erarbeiten, und nicht Experten, die von außen kommen.

Ernte und Netzwerk als Mehrwert von Art of Hosting

Was ich auch wissen wollte, war, ob sich durch das Kennenlernen von Art of Hosting für ihn etwas verändert, vor allem, ob es seiner Arbeit etwas hinzugefügt habe. Ja, das sei für ihn die Idee des „Harvesting“, der Ernte der Ergebnisse. Einerseits sei es der Stellenwert und der starke Akzent, der im Denken von Art of Hosting darauf gelegt werde, andererseits auch die konkreten Überlegungen, wie man dabei vorgeht. Es geht daher nicht nur mehr um den Prozess einer Lösungsfindung, sondern ganz stark auch darum, wie die Ergebnisse so zur Verfügung gestellt werden können, dass sie gut und anregend sind. Diese Frage spiele natürlich auch bei den Aufstellungen eine Rolle, so explizit wie er es in Art of Hosting erlebe, aber nicht.

Eine weitere Entdeckung war für Claude das globale Netzwerk von Art of Hosting. Er empfand es als schön, dass „es eine Community gibt, die diese verschiedenen Verfahren integriert und anwendet“ und damit „etwas Ähnliches macht wie ich mit dem engeren eigenen Netzwerk“.

Facilitatoren und Hosts

Auf der Suche nach einer Bezeichnung für die Person, die eine Aufstellung leitet, ist Claude auf den „Faciliator“ gestoßen und hat sich dafür entschieden. Dieser Facilitator hat die Aufgabe, den Rahmen zu halten und darauf zu schauen, dass „sich das einstellt, was gewünscht ist, und dass der Prozess in Fluss bleibt“. Teil davon ist auch sicherzustellen, dass „die Leute angekoppelt bleiben sowie dass gewissen Spielregeln eingehalten werden“. Ähnlich also wie ein Host? „Ja“, sagt er: „Von der Haltung her gibt es sicherlich eine Verwandtschaft.“ Gastgeben ordnet er allerdings eher der privaten Sphäre zu.

Wenn du, liebe Leserin, du, lieber Leser, eine Frage an Claude hast, kannst du dies in den Kommentaren hier unten tun. Direkt erreichst du ihn über c.rosselet@inscena.ch.

Lasst uns gemeinsam Räume für gute Gespräche schaffen,

Ilse

 

Claude Rosselet

 

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