Salons: Magische Orte zwischen öffentlich und privat

Salons sind den meisten von uns ein Begriff: als Orte, an denen sich seit der Zeit Maria Theresias Menschen fernab öffentlicher Räume und unbehelligt von der staatlichen Obrigkeit eingeladen von meist einflussreichen Frauen getroffen und ausgetauscht haben. Zu diesem Bild gehören viel Samt, schwere Sofas und wertvolle Möbel. Ich lade euch heute ein, in die Jetztzeit zurückzukehren und zu schauen, wie wir aus dem Art of Hosting heraus Salons heutzutage verstehen. Eines vorab: Das Gastgeben und die Gespräche sind Dreh- und Angelpunkt geblieben. Und der Raum, der dabei entsteht, ist weder ganz öffentlich, noch ganz privat, sondern hat eine ganz eigene Qualität.

Was heißt „Salon“ im Jahr 2015?

Gemein ist allen diesen Salons, dass sie Gesprächsmethoden aus dem Art of Hosting benutzen. Das sind vor allem das Gespräch im Kreis und das Pro Action Café, manchmal auch das World Café. Im Mittelpunkt stehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ihre Themen, Projekte, Ideen und Fragen – alles, wofür sie sich Anregungen, Input und die Weisheit von anderen wünschen, um den nächsten, wir sagen: „eleganten“ Schritt tun können. All diesen Anliegen wird vor allem durch besonders Hinhören und Hineinfühlen in das, was da ist, Raum gegeben. Der inhaltliche Bogen spannt sich da von ganz konkreten Anliegen aus dem beruflichen oder persönlichen Umfeld („Was soll ich meiner Tochter in der Frage XY raten?“) bis hin zu sehr abstrakten Fragestellungen („Wie viele Sterne gibt es?“) und weltumspannenden Themen.

All jene, die Themen einbringen, profitieren von der kollektiven Intelligenz der Gruppe, die sie für einen Abend anzapfen können. Die anderen stellen Fragen und bieten den „Themenhaltern“ ihre Lebenserfahrung und Weisheit an. Als Teilnehmerin bin ich immer wieder davon überrascht, wie sehr doch jedes Thema, sei es auf den ersten Blick noch so weit von meiner Lebensrealität und meinen aktuellen Fragen entfernt, am Ende doch auch mit mir zu tun hat. Oft fällt genau in den Gesprächen, die mich auf den ersten Blick gar nicht interessieren, der für mich wichtigste Satz, der mich lange begleitet und beeinflusst.

Wesentlich für einen gelungenen Salonabend ist neben den Gesprächen auch das Drumherum: gemütliche Räume, ein gutes Essen, ein Glas Wein und die Atmosphäre, die einlädt, sich einzubringen und sich wohl zu fühlen. Gutes Gastgeben einfach.

Das Pro Action Café in Brüssel

Das „Pro Action Café“ habe ich oben schon erwähnt. Ein paar Worte zur Erklärung, was das ist: Das Format wurde von Ria Baeck und Rainer von Leoprechting vor rund zehn Jahren in Brüssel entwickelt. Kernelement sind drei Gesprächsrunden an kleinen Tischen mit vier bis fünf Personen. Das Gespräch wird jeweils durch das Anliegen des Tischhosts, also des Themenhalters, angestoßen und in drei Runden vertieft. Diese bleiben auch jeweils an ihren Tischen, während die übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in jeder Runde an einen anderen Tisch wechseln.

Pro Runde gibt es eine weitere Frage, um auch wirklich in die Tiefe gehen zu können. Das beginnt damit, das (wirkliche) Anliegen  hinter der Frage heraus zu kitzeln, dann zu schauen, was noch fehlt, und zum Abschluss den Blick in die Zukunft und auf die nächsten, wie gesagt, „eleganten“ Schritte zu lenken. Umrahmt wird das Gespräch an den Tischen von einem Kreis am Anfang und einem am Ende, Check-in und Check-out, worüber Thomas vorige Woche geschrieben hat.

Das Pro Action Café in Brüssel findet ungefähr alle zwei Monate statt und seit rund zwei Jahren darf ich gemeinsam mit drei anderen Hosts im Team sein :-). Wir haben überlegt, den Namen in „Salon“ zu ändern, haben uns dann aber dagegen entschieden. Vielleicht geht es hier darum, das Feuer an der Stelle zu hüten, wo es entstanden ist – auch im Namen.

Bregenzer Salon

Die Salonidee im deutschsprachigen Raum im Geiste des Art of Hosting hat ihre Wiege im Bregenzer Salon, den Ursula Hillbrand dort 2010 in einem stilvollen Altstadthaus gegründet hat. Das Haus atmet die Geschichte vergangener Zeiten, als es dort ein bürgerliches Gasthaus gab, das ebenfalls die Menschen im Gespräch und Diskurs vereint hat. Der Salon im ersten Stock war anno dazumal das Extrazimmer, genutzt für Sitzungen der Vorarlberger Landesregierung oder für besondere Anlässe von Vereinen, für Hochzeiten, Faschingskränzchen sowie anderen legendären Festen. Heute bietet es den heimeligen Rahmen für Gespräche auf Augenhöhe für alle, die dorthin kommen.

Bregenz ist ein Bezugspunkt auch für die anderen Salons, die im Laufe der vergangenen Jahre entstanden sind und die in ganz anderen Umgebungen stattfinden. Eine Auflistung findet ihr weiter unten im Artikel. Die meisten Salonhosts haben es persönlich erfahren, wie ein Salon in Bregenz abläuft und was es ausmacht, gutes Hosting zu erleben und erspüren. Darüber hinaus gibt es in Bregenz auch zwei Mal jährlich eine Lernwerkstatt für jene, die neu in dieses Thema einsteigen oder es vertiefen wollen. Und Ursula bietet auch Möglichkeiten für Treffen und Vernetzung an. Aus einem solchen Vernetzungstreffen heraus ist der Waldviertler Salon entstanden.

Das Netzwerk wächst

Mittlerweile gibt es Salons in Innsbruck, Köln, München, Südtirol, Graz, Wien und eben im Waldviertel. Überall dort kommt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen eine Gruppe von bunt zusammen gewürfelten Menschen für einige Stunden zusammen, um sich auf eine gemeinsame Reise zu begeben. Zum Gelingen dieser Reise tragen eine besondere Qualität des Zuhörens, eine Offenheit, Neugier und das intuitive Wissen bei, dass wir uns auf einer gewissen, ich nenne sie: menschlichen Ebene begegnen können, auf der wir miteinander verbunden sind.

Zum Gelingen trägt vor allem auch bei, sich eine Spur verletzlich zu machen, indem man sich auf diese Ebene wagt. Als Themenhalterin eine Frage zu stellen und damit andere um Hilfe zu bitten, ist für einen Moment eine so ganz andere Erfahrung als wir sie täglich haben, wo wir zumindest scheinbar alles wissen und unter Kontrolle haben (müssen). Das Ergebnis hat danach aber auch die entsprechend andere, fundiertere und tiefere Qualität.

Selbst ausprobieren

Jeder Salon ist meiner Erfahrung nach einzigartig. Ich war bisher als Teilnehmerin in Innsbruck, Wien und Bregenz dabei und hoste selbst in Brüssel und im Waldviertel. Jeder Salon hat seine eigene Qualität. Sie kommt vom Ort, an dem er stattfindet, dem Gastgeberteam und von den Menschen, die gerade an diesem einen Tag den Weg dorthin genommen haben. Sie bestimmen die Richtung, die der Abend nimmt. Wir Gastgeber halten den Raum dafür, was kommen will, was Neues entstehen will. Das ist unsere Aufgabe.

Der Beitrag der Gäste ist es, sich darauf einzulassen. Wenn ihr Lust habt, findet ihr hier die nächsten Möglichkeiten und Termine und die Links zum Weiterklicken, Informieren und Anmelden, soweit ich sie in Erfahrung bringen konnte. Sollte hier ein Salon fehlen, ergänzt bitte in den Kommentaren.

Wie sind eure eigenen Erfahrungen mit den Salons – sei es in der Rolle des Gastgebers oder jener des Gasts? Dafür ist ebenfalls in den Kommentaren Platz.

 

Lasst uns gemeinsam Räume für gute Gespräche schaffen,

Ilse

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